Die Bilder zu diesem Projekt des Graffitivereins sind hier zu sehen.Hier haben wir gemeinsam mit der IG Lößnig interessierte Anwohner, Bürger und im Viertel Tätige zu einem Bürgerforum zum Thema „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“ in die Gaststätte Moritz-Hof in der gleichnamigen Einkaufspassage im Leipziger Stadtteil Lößnig eingeladen. Neben den Bürgern waren als Gesprächspartner ein Vertreter des Graffitikompetenzteams vom Graffitiverein und Vertreter des Polizeireviers Süd vor Ort. Ein Thema, zu dem viele Menschen in dieser Stadt eine Meinung haben, die Einen Pro und die Anderen Contra. Im Rahmen dieser Veranstaltung referierte der erfahrene Kunstpädagoge, Sebastian Drechsel, zum Thema „Graffiti – Aufstand der Zeichen?“ In einer multimedialen Präsentation, die witzigerweise mit einem Ausschnitt aus der amerikanischen Comicserie „The Simpsons“ ihre Einführung fand, erläuterte Sebastian Drechsel die Welt der Jugendsubkultur Graffiti als Teil des HipHop. Menschen, die bisher kaum einen oder keinen Zugang zu heutigen Jugendkulturen haben und Graffiti mit Schmierereien und Beschmutzung fremden Eigentums verbinden, bekamen zumindest einen Einblick über Entstehung, Bedeutung und Arten der urbanen Kunstform. Der Referent informierte am Beispiel eines integrativen Gestaltungsprojektes des Graffitivereins über Möglichkeiten, wie kreative Energien in Bezug auf Graffiti positiv kanalisiert werden können. Dabei fand unter dem Motto „Leipzig – das ist meine Stadt“ letztes Jahr im Lene-Voigt-Park das preisgekrönte Konzept des Graffitivereins „Kreativ statt Kriminell“ wiederholt seine Anwendung. Wertevermittlung bleibt hierbei keine theoretische Phrase, sondern wird praxisnah realisiert. In der anschließenden Diskussion stellte sich Sebastian Drechsel den Fragen der Anwohner, die ihr Missfallen und Unverständnis über Tags am und im Einkaufszentrum, ungewollte Gestaltungen am Gebäude des Kindergartens und eines Garagenkomplexes offen aussprachen. Die 51. Mittelschule wiederum konnte in dieser Diskussion als erfreuliches Beispiel aufwarten, denn dort durften SchülerInnen unter Anleitung des Teams vom Graffitiverein ihre Fassade kreativ gestalten. Sebastian Drechsel versuchte, den Bürgern Erklärungen und Ideen zur Lösung ihrer Problematik darzulegen und andere Sichtweisen zu eröffnen. Beiderseitiges Verständnis und gemeinsame Gespräche zwischen den Bürgern und den Jugendlichen wurden gefordert. So wurde seitens der Polizei die Meinung vertreten, dass legale Sprühflächen vermutlich zur Entspannung der Situation beitragen könnten. Gleichzeitig wurde aber auch darauf hingewiesen, dass es mittlerweile nahezu keine derartigen Möglichkeiten für interessierte Jugendliche gibt und die daraus resultierenden Folgen allgegenwärtig wahrnehmbar sind. Die, vor allem vom Graffitiverein vertretene Position wurde dementsprechend auch erst kürzlich wieder durch eindeutige Zahlen des Landeskriminalamtes in Dresden und des Sächsischen Innenministeriums eindrücklich belegt. Demzufolge konnte nach der Verschärfung der Rechtslage im Jahr 2004 kurzzeitig ein geringer Rückgang illegaler Graffiti registriert werden. Jedoch im folgenden Jahr kam es dann nicht nur wieder zu der vom Graffitiverein prophezeiten deutlichen Zunahme, sondern auch zu einem überproportionalen Anstieg der daraus resultierenden Schadenssumme. Das ist insbesondere deshalb interessant, weil damit ganz offensichtlich wird, dass die durch einseitige Überreglementierung zunehmend kriminalisierte Graffitiszene ihrem Ärger auf diese Weise Ausdruck verleiht, statt sich in ihrem Handeln entsprechend beeinflussen zu lassen. Die einseitigen und kurzsichtigen Maßnahmen scheinen daher eher kontraproduktiv als hilfreich für die Lösung der mit Graffiti zusammenhängenden Probleme zu sein. Dies findet seinen Ausdruck auch in der Tatsache, dass besonders Leipzig mit ca. einem Drittel aller Fälle in ganz Sachsen die Graffitihochburg ist. Fazit des Abends: Dem Einen oder Anderen hat sich vielleicht eine neue Sichtweise durch die multimediale Präsentation und die anschließende Diskussion von und mit dem Experten des Graffitivereins auf das Phänomen ergeben. Derartige Veranstaltungen mit objektiven Informationen und sachlichem Dialogcharakter sind eine Wiederholung wert. Die Bilder zu diesem Projekt des Graffitivereins sind hier zu sehen.

 

Susann Schulz